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EB Kurier 2005:
"Damit der Anfang gelingt -
Chancen früher Hilfen in der Erziehungsberatung".

 

InhaltNach 50 Jahren intensiver Bindungsforschung findet das Bindungswissen auch in Deutschland eine zunehmend breitere Anwendung in Jugendhilfe und Gesundheitswesen. Bindungswissen hat längst auch in der Erziehungsberatung Fuß gefasst. Ziel der Jahrestagung 2004 der LAG war es, sich intensiv mit diesem Thema und seiner Implantation in den Erziehungsberatungsstellen in Hessen zu beschäftigen.

Längsschnittliche Forschung konnte nachweisen, dass sichere Bindungserfahrung und ein sicheres Modell dem Kind helfen, die eigenen Entwicklungsthemen kompetent und resilient (d.h. trotz vorhandener Risiken) zu meistern. Bindungssicherheit in der Familie steht in einer engen Beziehung zu gelingenden Freundschaftsbeziehungen, einem ausgewogenen realistischen Selbstbild, einer angemessenen sozialen Wahrnehmung, weniger Verhaltensauffälligkeiten in Schule und Gleichaltrigengruppen , Gefühlsoffenheit und einem flexiblen Umgang mit Bedürfnissen in den Familienbeziehungen.

Die Bindungstheorie stellt das Basiswissen über den Aufbau, die Dauer und die Bedeutung von Eltern-Kind-Beziehungen dar. Sie erlaubt einen Einblick und ein Verständnis in die wesentlichen Beziehungsprozesse und Grundbedürfnisse der Beteiligten und trägt dazu bei, das Kind und seine innere Welt im Rahmen seiner Beziehungen besser zu verstehen.

Angesichts einer sich immer schneller verändernden Welt, hoher Scheidungszahlen, vielfältiger Bedrohung der Sicherheit durch Umweltbelastung und Verkehr, Gewalt in den Medien und sozialer Belastung von Armut und Arbeitslosigkeit verweist die Bindungstheorie nachhaltig auf die Bedeutung von tragfähigen Beziehungen, die Nicht-Austauschbarkeit von Bindungspersonen, die Folge von Verlust und Trennungen und auf die Einflüsse von traumatischen Beziehungserfahrungen auf die Entwicklung des Einzelnen.

Bei vielen Anmeldungen in unseren Beratungsstellen wegen kindlicher Symptome besteht ein enger Zusammenhang zur Bindungsthematik.

Die Bindungstheorie hat sich als eine tragfähige Basistheorie für Erklärungen von Entwicklungsprozessen und die Fundierung von Interventionen durchgesetzt. In der Arbeit der Erziehungsberatungsstellen leistet sie bereits jetzt schon wertvolle Beiträge zur Gestaltung von Schnittstellen mit anderen Jugendhilfeangeboten und bei der Ausgestaltung der Hilfen in speziellen Bereichen. Zu nennen sind hier z. B. die Fremdunterbringung im Heim und bei Pflegeeltern, der Umgang mit traumatisierten Kindern, der Frage der Rückführung von Kindern oder Hilfen bei Trennung und Scheidung.

Bindungswissen kann also ausstrahlen in verschiedene Bereiche der Jugendhilfe und umgekehrt, entsprechende Prozesse der Vernetzung und gegenseitiger Befruchtung sind bereits im Gang. So kann die Bindungsforschung viel von der Lebendigkeit der Jugendhilfe profitieren, z. B. von dem Wissen um die Vielseitigkeit von unterstützenden Beziehungen außerhalb der Familie oder im erweiterten Familienkontext . Auf der anderen Seite stellt sich in der Jugendhilfe auch immer die Frage nach gelingenden Entwicklungsprozessen trotz widriger Umstände, ein Aspekt mit dem sich die Bindungsforschung unter dem Stichwort
Resilienzdiskussion beschäftigt.

Zwischen Bindungsforschung und Jugendhilfe tun sich also viele Überlappungsbereiche auf, die Erziehungsberatung kann eine Schnittstelle für beide Bereiche darstellen. In diesem Sinne sollte die Fachtagung als ein Input für die Erziehungsberatung in Hessen verstanden werden, diese Bedeutung einer Schnittstelle bewusst und gezielt wahrzunehmen indem die Ergebnisse der Bindungsforschung in unserer Praxis einen festen Platz bekommen.

 

 



Die Vorträge dieser Tagung liegen nun in Broschürenform als
EB-Kurier 2005 vor.
Der EB-Kurier kann über die Geschäftsstelle zum Preis von
4 Euro + Porto bestellt werden.

 

 

 

 


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